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Urin
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Der Urin (lateinisch urina, altgriechisch ÎżáœÏÎżÎœ oĂșron), auch Harn genannt, ist ein flĂŒssiges bis pastöses Ausscheidungsprodukt der Wirbeltiere.cite-ref-1[1] Er entsteht in den Nieren und wird ĂŒber die ableitenden Harnwege nach auĂen geleitet. Die Ausscheidung des Urins dient der Regulation des FlĂŒssigkeits- und Elektrolythaushalts sowie der Beseitigung von Stoffwechselabbauprodukten (Metaboliten), insbesondere der beim Abbau von Proteinen und Nukleotiden entstehenden Stickstoffverbindungen. Die wichtigsten sind Harnstoff, HarnsĂ€ure und Kreatinin. Man bezeichnet sie auch als harnpflichtige Stoffe. Die Gesamtheit der im Harn nachweisbaren Metaboliten wird als Urin-Metabolom bezeichnet.cite-ref-2[2]
Menschlicher Urin ist eine zumeist gelbe FlĂŒssigkeit. Zahlreiche Krankheiten wirken sich auf seine genaue Zusammensetzung aus, ĂŒber die eine Urinuntersuchung Aufschluss gibt.
Contents
âą Etymologie
âą Geschichte
âą Entstehung
âą Ausscheidung
âą Eigenschaften
âą FĂ€rbung
âą Ăbrige Tiere
âą Amphibien
âą Fische
âą Reptilien
⹠Vögel
âą Urinuntersuchung
âą Mittelstrahlurin
⹠DreiglÀserprobe
âą Harnsteine
âą Siehe auch
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Etymologie
Das Wort Urin geht auf lateinisch urina zurĂŒck.cite-ref-duden-6-0[6] Mit der Bedeutung âHarnâ ging das lateinische Wort, nachdem die Medizinschule von Salerno im Hochmittelalter die Harnuntersuchung als diagnostische Methode entwickelt hatte, aus der Sprache der Ărzte in viele europĂ€ische Sprachen ĂŒber.cite-ref-grimm-urin-7-0[7] Altfranzösisch urine ist bereits im 12. Jahrhundert belegt, urine im Englischen erst um 1325 (urinal in der Bedeutung âGefÀà fĂŒr Harnuntersuchungenâ hier jedoch schon um 1275). Im Deutschen wurde der Begriff erstmals im 15. Jahrhundert â also im FrĂŒhneuhochdeutschen â verwendet. Seither hat das Wort die Ă€lteren deutschen Bezeichnungen zunehmend verdrĂ€ngt.
Das Ă€ltere deutsche Wort Harn (im Mittelalter gelegentlich harmcite-ref-8[8]) ist seit dem Althochdeutschen bezeugt und unverĂ€ndert in Gebrauch, allerdings nur im Hochdeutschen. Andere regionale Bezeichnungen sind hĂ€ufig tabuisiert oder gelten gemeinsprachlich oft als anstöĂig. Dazu zĂ€hlen die oberdeutschen AusdrĂŒcke Brunz (vgl. auch Brunnen als Euphemismus im 16. Jahrhundert fĂŒr Harncite-ref-9[9]) und Seich,cite-ref-10[10] das ursprĂŒnglich niederdeutsche Wort Pisse (auch im Adjektiv pissen) oder kindersprachlich Pipi, ebenso Schiffecite-ref-schiffe-11-0[11] (Adjektiv: schiffen) und (österreichisch) kindersprachlich Lulu.cite-ref-lulu-12-0[12]
Geschichte
Um die Wende vom 6. zum 7. Jahrhundert verfasste Alexander von Tralleis eine Abhandlung ĂŒber den Urin.cite-ref-13[13] Petrus Pomarius Valentinus veröffentlichte 1476 sein Buch Articella mit fĂŒnf Kapiteln, darunter der Aufsatz Liber de urinis (âBuch vom Urinâ; wörtlich: âBuch ĂŒber die Urineâ) von Theophilus Protospatharius (7. Jahrhundert).cite-ref-14[14]
Theorien der Harnbereitung
Leonhart Fuchs (1501â1566) erkannte die paarige Niere als Sieb oder Filter. Andreas Vesalius (1514â1564) veröffentlichte 1543 in Basel in seinen sieben BĂŒchern De humani corporis fabrica libri septem auf Seite 515 im fĂŒnften Buch eine offenbar symbolische Abbildung des Filters in der Niere (membrana cribri modo âMembran wie ein Durchschlagâ, horizontal ĂŒber die gesamte Nierenbreite mit etwa 50 Löchern).cite-ref-19[19]cite-ref-20[20]cite-ref-21[21] âMit diesem Bild veranschaulicht Vesal die wegen ihrer anatomischen Unhaltbarkeit von ihm angegriffene These, daĂ die Niere durch ein Sieb in zwei HĂ€lften getrennt sei.âcite-ref-22[22]
John Blackall (1771â1860) hielt die Nieren fĂŒr DrĂŒsen mit einer elektiven Kraft, âdie in der Lage ist, was immer dem Blute schĂ€dlich ist, davon abzutrennen.âcite-ref-23[23]cite-ref-24[24]cite-ref-25[25] Der österreichische Anatom Josef Hyrtl (1810â1894) bezeichnete eine Niere analog als Seihe (âseyheâ, Seiher) oder Sieb. Friedrich August Walter sprach im Jahr 1800 allgemein vom âAbsonderungsgeschĂ€ft der Niereâ beziehungsweise vom âAbsonderungsgeschĂ€ft des Harnsâ.cite-ref-26[26]
William Bowman (1816â1892) behauptete noch 1842 irrtĂŒmlich, die glomerulĂ€ren KapillargefĂ€Ăe scheiden Wasser aus, welches die von den Tubuli sezernierten festen Stoffe wegspĂŒle.cite-ref-27[27]cite-ref-28[28]cite-ref-29[29] August PĂŒtter stellte 1926 seine âDreidrĂŒsentheorie der Harnbereitungâ vor;cite-ref-30[30] er postulierte die Existenz von StickstoffdrĂŒsen, SalzdrĂŒsen und WasserdrĂŒsen ohne Ăbereinstimmung mit der glomerulĂ€ren Filtration, der tubulĂ€ren Sekretion und der tubulĂ€ren RĂŒckresorption.cite-ref-31[31] Vielmehr findet nach August PĂŒtter der Stoffaustausch in der Niere durch Invasion, Resorption, Evasion und Exkretion oder Sekretion statt.cite-ref-32[32] Nach der Lehre des Moskauer Mediziners K. Buinewitsch werden Wasser und Kochsalz durch die Tubuli und die ĂŒbrigen Harnbestandteile durch die Glomeruli ausgeschieden.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34]
Carl Ludwig (1816â1895) schrieb 1856: âDie Grenzen, innerhalb der bei gesunden Erwachsenen das tĂ€gliche Harnwasser variirt, liegen zwischen 500 und 25.000 Gramm. Nach Becquerelcite-ref-35[35] [1814â1862] und Vogelcite-ref-36[36] [1814â1880] liegt bei jungen MĂ€nnern das Tagesmittel zwischen 1200 bis 1600 Gramm.âcite-ref-37[37] âEin erwachsener, gutgenĂ€hrter, nicht mehr als nöthig trinkender Mann entleert tĂ€glich 2â3 Liter.â Das schrieb der Brockhaus noch 1866.cite-ref-38[38]
Die âWasserrĂŒckresorption und die Harnkonzentrierungâ erfolgen in den Nierentubuli. DiesbezĂŒglich formulierte 1942 Werner Kuhn das Haarnadelgegenstromprinzip, und Gottschalk und Mylle bewiesen die Hypothese in vivo mittels Mikropunktion 1959.cite-ref-39[39] Entscheidend war der mikrokryoskopisch erbrachte Nachweis der HypertonizitĂ€t der Nierenpapille.cite-ref-40[40]
Alte Bezeichnungen
FrĂŒher unterschied man: Recrementa vesicae = Retrimenta vesicae = Blasenurin, Urina diabetica = der Harnruhrharn, Urina pericardii = Liquor pericardii = Aqua pericardii = das Herzbeutelwasser, Urina jumentosa = Urina jumentaria = gelblicher Lasttierharncite-ref-41[41] und Urina spastica = Polyuriecite-ref-42[42] zum Beispiel bei MigrĂ€ne, Epilepsie, GemĂŒtserregungen,cite-ref-43[43] Angina pectoris, Nierenkolik, Gallenkolik, paroxysmaler Tachykardie,cite-ref-44[44] beim PhĂ€ochromozytom,cite-ref-45[45] bei hysterischen AnfĂ€llencite-ref-46[46] sowie nach Commotio cerebri und Infektionskrankheiten.cite-ref-47[47] Die Bezeichnung Urina jumentosa (zu lateinisch iumentum âZugtier, Lasttierâ) fĂŒr einen âtrĂŒben pferdeharnĂ€hnlichen Urin bei verschiedenen Krankheitenâ findet sich noch im aktuellen Medizin-Duden.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49] Statt von einer Urina spastica sprach man frĂŒher auch vom Nierenasthma und meinte damit eine âfunktionelle Neurose bei vegetativer Stigmatisation mit anfallsweisen spastischen Kontraktionen der NierengefĂ€Ăe beziehungsweise mit einer Adynamie des Nierenbeckens und des Harnleiters, die zuerst zu einer schmerzhaften Oligurie und danach zu einer starken reaktiven Diureseâ fĂŒhre.cite-ref-50[50]
Mensch und andere SĂ€ugetiere
Entstehung
Urin entsteht in den Nieren zunĂ€chst als Ultrafiltrat des Blutplasmas. Blut flieĂt dabei durch die Nierenkörperchen (Corpuscula renalia). Wasser und gelöste Stoffe mit einem Durchmesser von weniger als 4,4 Nanometern (unter anderem Ionen und kleine ungeladene Proteine) werden dabei wie in einem Sieb filtriert und gelangen in das sich anschlieĂende Röhrchensystem (Nierentubuli) des Nephrons, der funktionellen Untereinheit der Nieren. Die gröĂeren Teilchen verbleiben im Blutkreislauf. Die so entstandene FlĂŒssigkeit wird als PrimĂ€rharn bezeichnet und enthĂ€lt neben den zur Ausscheidung bestimmten Stoffen auch solche, die fĂŒr den Körper wichtig sind, wie Glucose (Traubenzucker), AminosĂ€uren und Elektrolyte. Ein Erwachsener produziert tĂ€glich zwischen 180 und 200 Liter PrimĂ€rharn.
In den darauffolgenden Tubuli und Sammelrohren werden aus dem PrimĂ€rharn die wieder verwendbaren Inhaltsstoffe sowie etwa 99 Prozent des Wassers zurĂŒckgewonnen. Der ĂŒbriggebliebene Endharn (=Urin), von dem ein gesunder Mensch tĂ€glich etwa 0,8 bis 2 Liter produziertcite-ref-51[51] oder 0,5 bis 1,5 ml pro kg Körpergewicht pro Stunde,cite-ref-52[52] flieĂt schlieĂlich ĂŒber das Nierenbecken und durch die Harnleiter in die Harnblase. Dort wird der Endharn gesammelt und anschlieĂend durch die Harnröhre ausgeschieden.
Der Prozess der Harnproduktion und -ausscheidung durch die Nieren wird als Diurese bezeichnet. Mit verschiedenen medizinischen MaĂnahmen kann darauf Einfluss genommen werden. Diuretika werden eingesetzt, um bei Nieren- und Herzerkrankungen das Harnvolumen zu erhöhen und damit sekundĂ€r das Blutvolumen zu senken, da dies wiederum eine verminderte Herzbelastung (Blutkreislauf, Vorlast der Herzkammern) zur Folge hat. Eine forcierte Diurese wird z. B. eingesetzt, um giftige wasserlösliche Stoffe aus dem Organismus durch eine vermehrte Ausscheidung zu entfernen. Einige Stoffe, wie Koffein oder Ethanol (Trinkalkohol), haben ebenfalls eine harntreibende Wirkung, da sie die Bildung des antidiuretischen Hormons (ADH) hemmen, das sonst in den Nierentubuli die RĂŒckresorption von Wasser aus dem PrimĂ€rharn bewirkt.
Ausscheidung
âą Beim Menschen wird eine Urinproduktion von > 2,5 l/Tag als Polyurie bezeichnet, eine geringe (< 100 ml/Tag) oder ganz fehlende Urinausscheidung als Anurie. Bei einer Menge von < 400â500 ml/Tag spricht man von einer Oligurie.
âą Der Terminus Pollakisurie meint die ĂŒberdurchschnittlich hĂ€ufige Blasenentleerung mit jeweils nur geringen Harnmengen.
⹠Als Diabetes werden verschiedene Krankheiten unterschiedlicher Ursache bezeichnet, die wiederum einen erhöhten Harnfluss zur Folge haben.
BezĂŒglich der Harngewinnung fĂŒr eine medizinische Untersuchung werden verschiedene Begriffe voneinander abgegrenzt. Neben dem durch eine Katheterisierung oder suprapubische Blasenpunktion gewonnenen Urin sind dies verschiedene Formen eines mittels einfacher Blasenentleerung gewonnenen Harns. Zeitlich festgelegt werden dabei:
âą erster Morgenurin,
âą zweiter Morgenurin,
âą postprandialer Urin (meist zwei Stunden nach einer Mahlzeit),
âą Sammelurin (meist als 24-Stunden-Harn).
Eine tageszeitlich nicht festgelegte Blasenentleerung wird als Spontanharn bezeichnet.
Eigenschaften
Urin dient zur Regelung des FlĂŒssigkeitshaushalts sowie zur Entsorgung von Harnstoff, HarnsĂ€ure und anderen Stoffwechsel-Endprodukten. Ein gesunder erwachsener Mensch scheidet tĂ€glich etwa 20 Gramm Harnstoff aus.cite-ref-r-mpp-53-0[53] Urin enthĂ€lt ferner geringe Mengen an Zucker (Traubenzucker, Glucose). Ein erhöhter Glucosegehalt im Urin deutet auf Diabetes mellitus hin. Die Konzentration von Proteinen betrĂ€gt im Normalfall weniger als 2 bis 8 mg je 100 ml, die maximale Ausscheidung tĂ€glich 100 bis 150 mg, im Durchschnitt jedoch 40 bis 80 mg. Eine erhöhte Proteinausscheidung wird Proteinurie genannt. Die Proteine sind auch fĂŒr die Bildung von Schaum auf dem Urin verantwortlich. Eine ungewöhnlich starke Schaumbildung ist somit auch ein Indiz fĂŒr eine Nephropathie.
Viele weitere Substanzen wie Hormone oder Duftstoffe kommen in geringen Mengen im Urin vor. Die Geruchskomponenten lassen sich zuverlÀssig durch die GC-MS-Kopplung nachweisen.cite-ref-54[54]
Der pH-Wert des Urins liegt bei normaler ErnĂ€hrung zwischen 4,6 und 7,5, also eher im sauren Bereich. Eine einzelne pH-Wert-Messung des Urins hat aber nur eine bedingte Aussagekraft, da der pH-Wert tĂ€glichen starken Schwankungen unterworfen ist. EiweiĂreiche ErnĂ€hrung verschiebt den pH-Wert in Richtung sauer, wĂ€hrend GemĂŒse eine Verschiebung ins basische Milieu verursacht.
Die Dichte betrĂ€gt zwischen 1015 und 1025 g/l. Unter extremen Bedingungen (wie beispielsweise extrem hoher FlĂŒssigkeitszufuhr oder andererseits Dehydration) kann sie zwischen 1001 und 1040 g/l schwanken. Gelöste Proteine oder Glucose können die Dichte des Urins erhöhen. Die OsmolaritĂ€t von Urin liegt typischerweise zwischen 600 und 900 mosmol/l. Urin ist dann hyperosmotisch bezogen auf Blutplasma (290â300 mosmol/l), das heiĂt, die Konzentration der gelösten Stoffe ist höher als im Blutplasma. Die OsmolaritĂ€t kann aber in AbhĂ€ngigkeit vor allem von FlĂŒssigkeitszufuhr und FlĂŒssigkeitsverlusten zwischen 50 und 1200 mosmol/l variieren (d. h., Urin kann hypo-, iso- oder hyperosmotisch bezogen auf Blutplasma sein).
Urin ist annÀhernd keimfrei. Entgegen der weit verbreiteten Ansicht, dass Urin beim gesunden Menschen in der Blase komplett steril sei, enthÀlt er aber auch dort eine Vielzahl verschiedener Bakterien.cite-ref-55[55] Da auch die untere Harnröhre nicht völlig keimfrei ist, enthÀlt Urin beim Austritt bis zu 10.000 Keime pro Milliliter. Allerdings sind diese in der Regel gesundheitlich unbedenklich und indizieren in dieser geringen Konzentration insbesondere keine Antibiothika-Therapie.cite-ref-56[56]cite-ref-57[57] Zum Vergleich: Speichel enthÀlt rund 100 Millionen Keime pro Milliliter.cite-ref-58[58]
Frischer Urin riecht nach BrĂŒhe, wĂ€hrend abgestandener Urin aufgrund bakterieller Umwandlungsprozesse den stechenden Geruch von Ammoniak annimmt. Dabei wird der Harnstoff enzymatisch (Urease) in Ammoniak und Kohlendioxid umgewandelt und der ursprĂŒnglich eher neutral bis saure Urin wird basisch (pH-Wert ca. 9â9,2). Bei einer schweren Stoffwechselentgleisung im Rahmen eines Diabetes mellitus kann der Urin nach Aceton riechen, dies wird durch Ketoazidose (Ketokörper im Blut) verursacht. Auch bei akuten Krankheiten (Infektionen, Fieber) und nach dem Genuss bestimmter Nahrungsmittel kann der Urin einen atypischen Geruch aufweisen.
So tritt bei knapp der HĂ€lfte der Menschen nach dem Verzehr von Spargel ein charakteristischer Geruch des Urins auf. Er ist auf den Abbau bestimmter Inhaltsstoffe des Spargels wie AsparagusinsĂ€ure zu S-Methyl-thioacrylat, zu dessen Methanthiol-Additionsprodukt S-Methyl-3-(methylthio)thiopropionat und anderem zurĂŒckzufĂŒhren.cite-ref-59[59] Die FĂ€higkeit zu diesem Abbau wird dominant vererbt.
Der Urin von Schwangeren enthĂ€lt humanes Choriongonadotropin (hCG), ein in der Plazenta gebildetes Hormon, das fĂŒr die Erhaltung der Schwangerschaft verantwortlich ist. Diesen Umstand macht man sich beim Schwangerschaftstest zu Nutze, der bei vorhandenem hCG eine FarbĂ€nderung zeigt.
FĂ€rbung
Die gelbe Farbe des Urins entsteht durch sogenannte Urochrome wie die Bilirubin-Abbauprodukte Sterkobilin und Urobilin, die aus dem Abbau des HĂ€moglobins oder Blutfarbstoffs entstehen. Die FarbintensitĂ€t hĂ€ngt von der Konzentration der Urochrome im Urin ab. Hypertonischer (erhöhte Konzentration der gelösten Stoffe) Urin ist gelb oder â bei höherer Konzentration, beispielsweise als Folge von Dehydratation â gelb-orange, wĂ€hrend geringer konzentrierter (hypotonischer Urin) hellgelb bis farblos ist.
Blutbeimengungen im Urin werden als HÀmaturie bezeichnet und können den Urin rot fÀrben. Ebenso tritt bei Porphyrie eine RotfÀrbung auf.
AuĂerdem kann es bei manchen Menschen zu einer kurzzeitigen RotfĂ€rbung des Urins kommen, ohne dass durch eine Wunde oder EntzĂŒndung Blut in den Harn gelangt, wenn die Person vermehrt Carotine oder Betanin (in Roter Bete) aufgenommen hat. Ob dies genetisch vererbt wird, ist unbekannt.
Zu einer rötlichen UrinverfÀrbung kann es zudem durch Anthracycline, Rifampicin, hochdosiertes Methotrexat und viele andere Medikamente kommen.cite-ref-60[60]
Ist der Harn gesĂ€ttigt, so kommt es bei AbkĂŒhlung zu einer AusfĂ€llung von Uraten und damit zu ziegelroter oder dunkelgelber FĂ€rbung. Bei ErwĂ€rmung verschwindet sie wieder.
Dunkel orange oder braun gefÀrbter Urin kann ein Hinweis auf eine Bilirubinurie und damit auf eine Gelbsucht (Ikterus) oder einen Morbus Meulengracht sein. Als Melanurie wird eine schwarze FÀrbung des Harns bezeichnet. Dieser enthÀlt Melanogen, das an der Luft zu Melanin oxidiert. Melanurie kann beim Vorhandensein von Melanomen auftreten. Ebenfalls schwarzer oder dunkler Urin findet sich bei Alkaptonurie. Hier wird Homogentisat aufgrund eines Defekts oder Mangels des Enzyms Homogentisat-Dioxygenase mit dem Urin ausgeschieden. Dieser verdunkelt sich nach Kontakt mit der Luft. Auch einige Medikamente können eine VerfÀrbung des Urins bewirken.
BrÀunlicher Urin tritt bei Myoglobinurie auf, zum Beispiel verursacht durch Rhabdomyolyse, oder auch bei Porphyrie.
Eine GrĂŒnfĂ€rbung des Urin kann durch Propofol ausgelöst werden.cite-ref-61[61] Propofol wird primĂ€r in der Leber abgebaut. Man nimmt an, dass phenolische Metaboliten den Urin grĂŒn fĂ€rben können. Diese Metaboliten sind nicht nephrotoxisch. Auch Indomethacin, Amitriptylin, Cimetidin und Methylenblau können eine GrĂŒnfĂ€rbung des Urins auslösen. Ferner ein Verschlussikterus oder eine Pseudomonas-Infektion.
Ăbrige Tiere
Einfache, den Nieren entsprechende Ausscheidungsorgane finden sich bereits bei den Wirbellosen. Die Ausscheidungsprodukte der Proto- und Metanephridien sowie der Malpighischen GefĂ€Ăe werden zumeist ebenfalls als Harn bezeichnet.
Amphibien
Auch Amphibien besitzen eine Opisthonephros ohne Henle-Schleifen und können daher keinen hyperosmolaren Harn produzieren. Die Stickstoffausscheidung erfolgt bei Kaulquappen ĂŒber Ammoniak. Nach der Metamorphose erfolgt sie ĂŒber Harnstoff, bei wĂŒstenbewohnenden Amphibien und Makifröschen ĂŒber HarnsĂ€ure (Uricotelie). Die Abgabe des Urins erfolgt in die Kloake, die ĂŒber einen kurzen Verbindungsgang mit der Harnblase in Verbindung steht. Der dort gespeicherte Urin dient bei Amphibien vor allem als Wasserreservoir. Der stĂ€ndige Wasserverlust ĂŒber die Haut kann durch RĂŒckresorption von Wasser aus dem Urin in gewissen Grenzen ausgeglichen werden.
Fische
Das Ausscheidungsorgan der Fische ist eine modifizierte Urniere, Opisthonephros genannt. Die Urniere tritt bei SĂ€ugetieren nur vorĂŒbergehend beim Embryo auf. Das Nephron der Fische besitzt keine Henle-Schleife, die zur Konzentration des Urins benötigt wird. Deshalb können sie keinen hyperosmolaren Harn (gröĂere Konzentration an gelösten Stoffen als im Blutplasma) produzieren. Bei einigen Fischarten (beispielsweise Seenadeln, Seeteufel, Antarktisdorsche) sind nicht einmal Nierenkörperchen ausgebildet (aglomerulĂ€re Niere), bei ihnen entsteht der Harn nicht durch Ultrafiltration, sondern durch Sekretions- und DiffusionsvorgĂ€nge in den NierenkanĂ€lchen.
Die Funktion und Zusammensetzung des Urins ist abhĂ€ngig vom Lebensraum. Bei SĂŒĂwasserfischen wird viel Urin gebildet und dient vor allem der Eliminierung von ĂŒberschĂŒssigem Wasser. Elektrolyte kommen bei SĂŒĂwasserfischen nie im Ăberschuss vor, im Gegenteil, hier erfolgt eine aktive Aufnahme von einwertigen Ionen ĂŒber das Epithel der Kiemen. Bei Meeresfischen sind dagegen die VerhĂ€ltnisse umgekehrt. Bei ihnen wird nur wenig und im Vergleich zum Blut isoosmotischer Urin gebildet. Durch das Leben im Salzwasser sind Elektrolyte bei ihnen stets im Ăberschuss vorhanden, ihre Eliminierung erfolgt aber nicht ĂŒber den Urin, sondern ĂŒber die RektaldrĂŒsen (Knorpelfische) oder das Epithel der Kiemen (Knochenfische). Der Harn dient bei Meeresfischen also nicht der Osmoregulation, sondern nur der Ausscheidung zweiwertiger Ionen (wie Mg2+) und von ĂŒberschĂŒssigem Stickstoff. Interessant sind die VerhĂ€ltnisse bei Wanderfischen (anadrome und katadrome Fische), die einen Teil des Lebens in SĂŒĂ-, den anderen in Salzwasser verbringen. Hier kann ĂŒber Hormone die Richtung des Elektrolytaustauschs in den Kiemen umgeschaltet werden: Durch Kortisol wird zur Anpassung an Salzwasser die Abgabe einwertiger Ionen, ĂŒber Prolaktin deren Aufnahme zur Anpassung an SĂŒĂwasser ausgelöst.
Die Stickstoffverbindungen werden bei Knochenfischen zumeist als Ammoniak (Ammoniotelie) direkt ĂŒber die Kiemen, bei einigen anderen Fischen, insbesondere bei den Knorpelfischen, auch als Harnstoff (Ureotelie) ausgeschieden. Zum Teil wird Stickstoff auch als Guanin in die Schuppen eingelagert, welches ihnen den metallischen Glanz verleiht.
Eine Harnblase und Harnröhre fehlt bei manchen Fischen, die Harnleiter mĂŒnden in den Enddarm, die Harnröhre mit eigenem Porus, oder (selten) in eine Kloake usw.
Reptilien
Reptilien besitzen wie alle Amnioten eine Nachniere (Metanephros). Im Gegensatz zu Vögeln und SĂ€ugetieren besitzen die Nephrone keine Henle-Schleife und können daher in der Niere keinen konzentrierten Harn produzieren. Die produzierte Harnmenge ist bei Reptilien gering (0,2 bis 5,7 ml pro kg Körpermasse und Stunde). Die Harnleiter mĂŒnden wie bei Amphibien in die Kloake. Von der Kloake fĂŒhrt bei Echsen und Schildkröten ein kurzer Gang in die Harnblase (Harnbeutel), in der der Harn gespeichert werden kann. Schlangen besitzen keine Harnblase.
Der Urin ist bei Schildkröten flĂŒssig. Bei den ĂŒbrigen Reptilien wird er im Enddarm durch WasserrĂŒckresorption eingedickt und ist daher breiartig bis pastös. ĂberschĂŒssiger Stickstoff wird in Form von HarnsĂ€ure oder Guanin ausgeschieden. FĂŒr die Ausscheidung ĂŒberschĂŒssiger Elektrolyte ist der Urin der Reptilien von untergeordneter Bedeutung, ein SalzĂŒberschuss wird ĂŒber verschiedene KopfdrĂŒsen ausgeglichen: OrbitaldrĂŒse (Meeresschildkröten, am Auge), Sublingual- oder PrĂ€maxillardrĂŒse (Schlangen), ZungendrĂŒsen (Krokodile), NasendrĂŒse (Echsen).
Vögel
Die Nachniere der Vögel steht zwischen der von Reptilien und SĂ€ugetieren, da neben Nephronen vom Reptilientyp (ohne Henle-Schleife) auch Nephrone vom SĂ€ugetiertyp auftreten, so dass Vögel zur Bildung eines hyperosmolaren Harns befĂ€higt sind. Der Urin wird ĂŒber den linken und rechten Harnleiter in den Mittelabschnitt (Urodeum) der Kloake abgegeben, eine Harnblase fehlt allen Vögeln.
ĂberflĂŒssiger Stickstoff wird wie bei Reptilien in Form von HarnsĂ€ure oder Guanin ausgeschieden. Ăber eine negative Peristaltik gelangt der Urin in den Enddarm, wo ihm Wasser entzogen wird. Der Urin ist daher bei Vögeln pastös (hell) und es kommt zur AusfĂ€llung von HarnsĂ€urekristallen, die zusammen mit dem Kot (dunkler) ausgeschieden werden. Der stickstoffreiche Kot von Vögeln (Guano) wird auch als DĂŒngemittel genutzt. Bei Vögeln mit entwickelten BlinddĂ€rmen (beispielsweise HĂŒhnervögel) kann der konzentrierte Urin auch bis in die BlinddĂ€rme zurĂŒcktransportiert werden und dient der dort angesiedelten Darmflora als Stickstoffquelle. ĂberschĂŒssige Elektrolyte (Kochsalz) werden bei Vögeln nicht nur ĂŒber den Urin, sondern (wie bei Echsen) auch ĂŒber die NasendrĂŒse ausgeschieden, ein Mechanismus, der fĂŒr die Aufrechterhaltung der OsmolaritĂ€t vor allem bei Meeresvögeln von Bedeutung ist.
Urinuntersuchung
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Hauptartikel
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Urinuntersuchung
Die Urinuntersuchung, auch Uroskopie oder Harnschau (mittels Harnglas), ist eine der Ă€ltesten medizinischen Untersuchungen. Sie erlaubt RĂŒckschlĂŒsse auf den Zustand und die FunktionsfĂ€higkeit von Niere und Blase, beispielsweise bei Niereninsuffizienz und Blaseninfektion. WĂ€hrend frĂŒher die Untersuchung mittels Beschreibung der Beobachtungen (Farbe, TrĂŒbungen, Ablagerungen durch den Blasenablass usw.), des Geruches und des Geschmackes (daher stammt auch die Diagnose Diabetes mellitus, da mellitus im Lateinischen âhonigsĂŒĂâ bedeutet) erfolgte, so wird heutzutage die Erstuntersuchung in erster Linie mit Hilfe von Urin-Teststreifen durchgefĂŒhrt. Damit kann man gleichzeitig und innerhalb von wenigen Minuten mehrere wichtige Befunde erheben. Durch einen Farbumschlag können nĂ€herungsweise der Gehalt an Proteinen, Glucose, Ketonen, Bilirubin, Urobilinogen, Urobilin sowie der pH-Wert bestimmt werden, auch wird der Urin auf Vorhandensein von Blut und EntzĂŒndungszellen getestet. Die Zusammenstellung dieser Ergebnisse wird als Urinstatus bezeichnet.
Mit Hilfe des Urinstatus können FrĂŒhsymptome dreier groĂer Krankheitsgruppen erkannt werden:
âą Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege (Nierensteine, Nierentumoren, EntzĂŒndungen, âŠ)
⹠Kohlenhydratstoffwechselstörungen (Diabetes mellitus)
⹠Leber- und hÀmolytische Erkrankungen.
Eine qualitative Harnuntersuchung weist nach, ob eine Substanz im Harn vorhanden ist oder nicht, wÀhrend eine quantitative Untersuchung die genaue Menge des untersuchten Stoffes angibt. Eine semiquantitative Untersuchung gibt in etwa an, wie viel von einer Substanz im Harn vorhanden ist.
Der Urin eines gesunden Menschen sollte weder Proteine, Nitrit, Ketone noch Blutbestandteile wie HÀmoglobin enthalten. Werden dort Substanzen, die normalerweise nicht im Urin vorkommen, nachgewiesen oder finden sich verÀnderte Konzentrationen, kann dies auf Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes hinweisen.
Wird frischer Morgenurin zentrifugiert und dann unter dem Mikroskop betrachtet (Untersuchung des Urinsediments), sind verschiedene feste Bestandteile sichtbar. Dazu gehören beispielsweise Kristalle aus HarnsĂ€ure, Calciumsulfat und Calciumoxalat. Kristallisiertes Tyrosin oder Bilirubin sind hingegen Zeichen fĂŒr Erkrankungen. Unter dem Mikroskop können neben den kristallisierten Substanzen auch zellulĂ€re Bestandteile gefunden werden. Diese können Hinweise auf Tumoren von Nieren und ableitenden Harnwegen darstellen.
Durch spezielle Nachweistests kann die Einnahme von Medikamenten, Giften, Drogen oder Dopingsubstanzen im Urin nachgewiesen werden. Jedoch können diese Untersuchungen, die beispielsweise in der Suchttherapie eingesetzt werden, durch diverse ZusĂ€tze â wie Bleichmittel, Seife oder Kochsalz â verfĂ€lscht werden. Beim Schwangerschaftstest wird humanes Choriongonadotropin (hCG) nachgewiesen.
Bei Verdacht auf verschiedene Erkrankungen können hierfĂŒr spezifische Substanzen im Urin bestimmt werden. HierfĂŒr wird meistens der 24-Stunden-Sammelharn verwendet. Beim PhĂ€ochromozytom weist man Katecholamine und deren Abbauprodukte nach. Der frĂŒher durchgefĂŒhrte Test auf VanillinmandelsĂ€ure ist aufgrund zu geringer SpezifitĂ€t veraltet.
Die Menge des ausgeschiedenen Urins ist ein entscheidender Wert bei der FlĂŒssigkeitsbilanzierung, bei der die Aufnahme von FlĂŒssigkeiten mit der Ausscheidung (Urin, SchweiĂ, Perspiratio invisibilis) verglichen werden.
Mittelstrahlurin
FĂŒr Untersuchungen wird bevorzugt der Mittelstrahlharn des Morgenurins benutzt, da dieser die enthaltenen Stoffe in gröĂerer Konzentration enthĂ€lt als tagsĂŒber gewonnener. Nach einer anfĂ€nglichen SĂ€uberung und eventuellen Desinfektion der Eichel beim Mann oder des Genitalbereichs bei der Frau wird der erste Strahl des Harns verworfen. Erst die folgenden Anteile werden aufgefangen und fĂŒr die Untersuchung verwendet. Damit werden Beimengungen aus Verunreinigungen der Ă€uĂeren Abschnitte der Harnröhre vermindert, die das Ergebnis verfĂ€lschen können. Bei weiblichen Probanden wird das Gewinnen von unverfĂ€lschtem Mittelstrahlurin durch die Anatomie der Vulva und die Sekrete des Genitals deutlich erschwert.
DreiglÀserprobe
Eine Ă€hnliche Methode ist die DreiglĂ€serprobe. Dabei werden der erste Strahl sowie der Mittelstrahl in separaten GefĂ€Ăen aufgefangen. Das dritte Glas wird nach leichter Prostata-Massage mit Urin â vermengt mit Prostata-Sekret â gefĂŒllt. So lĂ€sst sich eine grobe Lokalisation beispielsweise von Blutungsquellen vornehmen. Der Inhalt des ersten Glases reprĂ€sentiert die Harnröhre, das zweite Glas die Harnblase und das dritte die Prostata.
Weitere Sammelarten
FĂŒr spezielle Fragestellungen kann der Urin auch ĂŒber einen Katheter oder durch direkte Punktion der Blase durch die Bauchdecke (suprapubische Blasenpunktion) gewonnen werden. Dieser ist normalerweise frei von Keimen der Umgebung oder der Harnröhre. FĂŒr einige Untersuchungen ist das Sammeln des Urins ĂŒber 24 Stunden notwendig. Dies ist in der Regel der Fall bei der Analytik von Hormonen und deren Abbauprodukten, wie z. B. der VanillinmandelsĂ€ure, HomovanillinsĂ€ure oder 5-HydroxyindolessigsĂ€ure zur Diagnostik des PhĂ€ochromozytoms, Neuroblastoms oder Karzinoidsyndroms.
Harnsteine
Wenn im Urin gelöste Mineralsalze (beispielsweise Calciumcarbonat, Calciumphosphat oder Calciumoxalat) ausgefĂ€llt werden, können sich zunĂ€chst kleine Kristalle bilden, die sich allmĂ€hlich zu gröĂeren Gebilden zusammenfĂŒgen. Diese als Harn- oder Nierensteine bezeichneten Gebilde können sich entweder in den Nieren, im Harnleiter oder in der Harnblase ansammeln und starke Schmerzen (Kolik) verursachen. In den meisten FĂ€llen (etwa 80 %) gehen sie nach Gabe von entkrampfenden oder schmerzstillenden Mitteln mit Hilfe von erhöhter Trinkmenge und körperlicher Bewegung von selbst ab. Seltener ist ein (manchmal auch nur endoskopischer) Eingriff notwendig und nur in extremen FĂ€llen ist eine Behandlung durch StoĂwellen-ZertrĂŒmmerung (Extrakorporale StoĂwellen-Lithotripsie) nötig.
Verwendung von Urin
Als Reinigungsmittel
Urin, insbesondere âgefaulterâ, wurde ĂŒber Jahrtausende als Reinigungsmittel eingesetzt. So wurden in Rom an belebten StraĂen amphorenartige Urinale aufgestellt, um den von den WĂ€schern benötigten Urin einzusammeln. Kaiser Vespasian erhob darauf eine spezielle Urinsteuer. Als sein Sohn Titus ihm daraufhin VorwĂŒrfe machte, aus derartig stinkender Angelegenheit monetĂ€ren Nutzen zu ziehen, soll er diesem eine MĂŒnze vor die Nase gehalten und âPecunia non oletâ (âGeld stinkt nichtâ) geantwortet haben.
Gefaulter Urin wurde noch bis ins 20. Jahrhundert zum Entfernen des Wollfetts (EntschweiĂen) frisch geschorener Schafwolle und zum Walken von Wolltuchen eingesetzt, des Weiteren im Gerberhandwerk sowie fĂŒr das Beizen von kupfergedeckten DĂ€chern (Patina).
Als FĂ€rbungsmittel
GroĂe Bedeutung hat und hatte Urin auch fĂŒr das FĂ€rberhandwerk. Aus dem Urin indischer KĂŒhe, die ausschlieĂlich mit MangoblĂ€ttern gefĂŒttert wurden, wurde durch Verdampfen das Indischgelb (Magnesiumeuxanthat, ein Magnesiumsalz der EuxanthinsĂ€ure, Summenformel C19H16O11Mg · 5 H2O) gewonnen. Seine Herstellung ist in Indien bereits seit dem 15. Jahrhundert bekannt.cite-ref-62[62] Im 18. Jahrhundert gelangte der Farbstoff dann auch nach Europa. Seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts hat diese Herstellungsmethode jedoch aufgrund von Tierschutzbedenken an Bedeutung verloren.cite-ref-indischgelb2-63-0[63] AuĂerdem diente menschlicher Urin zur Gewinnung von Indigoblau. Dazu wurden die BlĂ€tter des FĂ€rberwaids in KĂŒbeln mit Urin vergoren. Die FĂ€rbung von Textilien mit Urin und Indigo nennt man KĂŒpenfĂ€rbung. Dabei macht man sich die reduzierende Wirkung des Urins zu Nutze, um Indigo löslich zu machen und den Farbstoff so in die Faser zu bringen.
Als PflanzennÀhrstoff
Durch den Gehalt an Stickstoffverbindungen (bei SĂ€ugetieren einschlieĂlich der Menschen vor allem Harnstoff, HarnsĂ€ure und Kreatinin), Phosphaten sowie Kalium- und Calciumsalzen u. a. m. kann Urin als Lieferant von PflanzennĂ€hrstoffen dienen. Dieser Gehalt ist i. d. R. so hoch, dass Pflanzen durch BegieĂen mit unverdĂŒnntem Urin geschĂ€digt oder sogar zum Absterben gebracht werden können, sie âverbrennenâ. VerdĂŒnnt, z. B. mit der acht- bis zehnfachen Menge Wasser, stellt Urin hingegen einen stark wachstumsfördernden DĂŒnger dar.cite-ref-64[64] In Gebieten mit sehr geringen NiederschlĂ€gen kann der â je nach ErnĂ€hrung unterschiedlich hohe â Kochsalzgehalt des Urins allerdings zu einer Versalzung des Bodens fĂŒhren. Da Urin aufgrund des hohen PflanzennĂ€hrstoffanteils auch zur ĂberdĂŒngung von GewĂ€ssern beitrĂ€gt, gibt es inzwischen weltweit Projekte, diesen NĂ€hrstoffgehalt durch entsprechende technische MaĂnahmen nutzbar zu machen.cite-ref-65[65]
Trinkwassergewinnung
Urin kann durch Destillation zu Trinkwasser verarbeitet werden, um einer Dehydratation entgegenzuwirken. Das wird zum Beispiel auf der Internationalen Raumstation (ISS) getan, um die Astronauten im Weltraum mit genĂŒgend Trinkwasser versorgen zu können und zusĂ€tzliche VersorgungsflĂŒge zu sparen.cite-ref-66[66]
Auch kann das Destillieren von Urin in wasserarmen Regionen eine wichtige Ăberlebensstrategie im Sinne des Bushcrafting sein, sofern es keine andere Wasserquellen gibt. Nicht oder falsch destillierter Urin eignet sich nicht als Trinkwasserersatz, schadet den Nieren und steigert den Durst. Zum Destillieren eignen sich auch Solardestillen. Aktivkohlefilter können den Harnstoff nur wenig adsorbieren.cite-ref-67[67]
Urin wie auch andere FlĂŒssigkeiten in einer Abwasserleitung können durch eine KlĂ€ranlage gereinigtcite-ref-68[68] und als Uferfiltrat teilweise wieder zu Trinkwasser werden.
Medizinische Verwendung
In der Heilkunde wurden Urin und aus Urin gewonnene Substanzen vielfĂ€ltig eingesetzt. So wurde in Kriegs- und KatastrophenfĂ€llen Urin als wirkungsvolles Wunddesinfektionsmittel verwendet. Bereits in der Antike glaubte man, dass der Urin von Knaben heilende Wirkungen habe. So wurde er in der Naturgeschichte von Plinius als Heilmittel empfohlen und auch der byzantinische Arzt Alexander von Tralles setzte ihn (gegen Epilepsie und Gicht) ein.cite-ref-69[69] Um 1500 empfahl der ostschwĂ€bische Wundarzt Jörg zu Pforzen ein aus Salz und dem Sediment von Knabenurin hergestelltes Pulver zur Behandlung des Pannus (Ăberwachsung der Augenhornhaut).cite-ref-70[70] Heute können aus dem Urin von postmenopausalen Frauen Gonadotropine gewonnen werden, die zur Therapie von Fruchtbarkeitsstörungen eingesetzt werden können.
Im alternativmedizinischen Bereich wird die Eigenurintherapie angewandt. Hierbei werden dem eigenen (Morgen-)Urin FĂ€higkeiten zur Heilung verschiedener Krankheiten zugeschrieben. Durch Trinken, Ă€uĂerliche Anwendung oder Injektion sollen Krankheiten wie Asthma, Neurodermitis oder Cellulite und andere geheilt oder zumindest gelindert werden. In Deutschland hat unter anderem Carmen Thomas in ihrem Buch Ein ganz besonderer Saft â Urin dafĂŒr plĂ€diert, Eigenurin zu trinken.cite-ref-71[71] Nachweise fĂŒr einen positiven Effekt der Eigenurintherapie gibt es nicht.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]
Die arabische Tradition kennt die Verwendung von Kamelurin als Heilmittel. Das geht auf eine Hadith des Propheten Mohammed zurĂŒck.cite-ref-74[74] In jĂŒngerer Zeit wurde von Forschern in Arabien eine krebsmindernde Wirkung von Kamelurin behauptet.cite-ref-75[75] Im Juli 2015 warnte die WHO vor dem Trinken von Kamelurin, weil dadurch die Gefahr einer Ansteckung mit MERS besteht.cite-ref-76[76]
Da pathogene Prionen â falsch gefaltete Proteine, die Krankheiten wie BSE oder Scrapie auslösen können â im Urin gefunden wurden, unterliegt die Gewinnung von Arzneien aus menschlichem Urin strengen Vorschriften.cite-ref-tagesanzeiger-1-77-0[77] Menotropin aus humanem Urin muss wegen möglicher CJK-Ansteckungsgefahr mit einem Warnhinweis versehen werden; es sind aber noch keine Ansteckungen via menschlichem Urin bekannt.cite-ref-tagesanzeiger-2-78-0[78] Nach Ergebnissen des Schweizer Prionenforschers Adriano Aguzzi sind im Urin enthaltene Prionen die derzeit aktuelle ErklĂ€rung dafĂŒr, weshalb Prionenkrankheiten bei Schafen, Elchen und Hirschen relativ hohe Ansteckungsraten besitzen â schlieĂlich ernĂ€hren sich diese Wildtiere nicht von Tiermehl. Allerdings fand man die Prionen im Urin nur, wenn eine NierenentzĂŒndung vorlag.cite-ref-tagesanzeiger-1-77-1[77]
Kommunikation und Markierung im Tierreich
Tiere verwenden Urin auch zur Kommunikation (Chemokommunikation). Am bekanntesten dĂŒrfte dabei der Hund sein, der, wie viele andere Tiere, sein Revier durch die Abgabe einer kleinen Urinmenge an markanten Stellen abgrenzt. Bei einigen Katzen wie Leopard oder Gepard und den meisten Huftieren erkennt das MĂ€nnchen am Geruch des Urins, ob das Weibchen paarungsbereit ist. Beim Abbau des enthaltenen Harnstoffs in der Umwelt entsteht durch Hydrolyse das stechend riechende Gas Ammoniak.
Sexuelle Vorliebe
Die sexuelle Vorliebe zu Urin wird auch als Urophilie oder Undinismuscite-ref-79[79] bezeichnet. Dabei wird der Prozess des Urinierens oder der Urin selbst als erotisch und sexuell stimulierend erlebt. Auch Urophagie, der Lustgewinn durch orale Aufnahme von Urin (sogenanntem âNatursektâ), kann damit verbunden sein. In der entsprechenden Szene sind auch die Bezeichnungen Natursekt (oftmals auch mit ânsâ abgekĂŒrzt), Watersports, Pissing, Peeing, Golden Shower, Golden-Waterfalls und Wet-Games verbreitet. Da diese sexuelle Vorliebe deutlich von der empirischen Norm abweicht, wird auch von einer Paraphilie gesprochen.
Psychische und soziale Aspekte des Urinierens
Siehe auch
Literatur
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Weblinks
Commons
: Urin
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Urin
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Einzelnachweise
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cite-note-55. â Eine Auswahl der fachsprachlichen Synonyme findet sich bei Duden online unter urinieren.
cite-note-grimm-urin-77. â Siehe Eintrag URIN, m. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm (Hrsg.): Deutsches Wörterbuch. Band 24: UâUzvogel â (XI, 3. Abteilung). S. Hirzel, Leipzig 1936, Sp. 2446â2448 (woerterbuchnetz.de).
cite-note-88. â Vgl. etwa Gundolf Keil: Die âCirurgiaâ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 398.
cite-note-99. â Karl Ludwig Sailer: Die GesundheitsfĂŒrsorge im alten Bamberg. Dissertation, Erlangen 1970, S. 51.
cite-note-1010. â Vgl. etwa JĂŒrgen Martin: Die âUlmer Wundarzneiâ. Einleitung â Text â Glossar zu einem Denkmal deutscher Fachprosa des 15. Jahrhunderts (= WĂŒrzburger medizinhistorische Forschungen. Band 52). Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1991, ISBN 3-88479-801-4, S. 138 (zugleich Medizinische Dissertation WĂŒrzburg 1990). (hirzseich: Urin vom Hirsch).
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cite-note-lulu-1212. â Lulu. In: Duden online.
cite-note-1414. â Petrus Pomarius Valentinus: Articella nuperrime impressa cum complurimis tractatibus pristine impressioni superadditis, ut patet in pagina sequenti. 1476; 18. Auflage 1534, Druck von Antonius du Ry, Lyon 1525.
cite-note-1515. â So die KapitelĂŒberschrift im Inhaltsverzeichnis auf Seite 1 in: Franz Volhard: Die doppelseitigen hĂ€matogenen Nierenerkrankungen. In: Gustav von Bergmann, Rudolf Staehelin (Hrsg.): Handbuch der inneren Medizin. 2. Auflage. 6. Band, 1. Teil. Verlag von Julius Springer, Berlin / Heidelberg 1931, S. V und 1.
cite-note-1616. â Franz Volhard, in: Handbuch der inneren Medizin. Julius Springer Verlag, 3. Band, 2. Teil: Mundhöhle und Speiseröhre, Magen, Darm, Peritoneum, Nieren, Nierenbecken und Harnleiter, Berlin / Heidelberg 1918, S. 187â1911, mit 245 teils farbigen Abbildungen und drei farbigen Tafeln, darin: Die doppelseitigen hĂ€matogenen Nierenerkrankungen (Brightâsche Krankheit) von Franz Volhard, davon erschien 1918 ein Separatdruck, VIII, 576 Seiten, mit 24 meist farbigen und 8 farbigen Tafeln (Nachdruck: ISBN 978-3-662-42272-4).
cite-note-1717. â Carl Ludwig: Lehrbuch der Physiologie des Menschen. 2. Band: Aufbau und Verfall der SĂ€fte und Gewebe. Thierische WĂ€rme. 2. Auflage. C. F. Wintersche Verlagshandlung, Heidelberg 1861. Reprint: ISBN 978-0-282-31423-1, S. 425.
cite-note-1818. â Johanna Bleker: Die Geschichte der Nierenkrankheiten. Boehringer Mannheim 1972.
cite-note-1919. â In einer Ă€hnlichen Abbildung hat das horizontale Sieb etwa 60 Löcher. Quelle: Carmen Thomas: Ein ganz besonderer Saft â Urin. Bertelsmann, Köln 1993, Abbildung S. 99. IrrtĂŒmlich wird die Zeichnung dem Aristoteles statt der Schrift De humani corporis fabrica libri septem von Andreas Vesalius zugeschrieben. â Auch Johanna Bleker verwendet auf Seite 53 diese Abbildungen (mit lateinischer Original-ErlĂ€uterung).
cite-note-2121. â Andreas Vesalius: doi:10.3931/e-rara-20094 (2. Auflage ebenda 1555; Neudruck BrĂŒssel 1970). Liber V Caput X Pagina 515: de renibus, S. 514â517.
cite-note-2222. â Johanna Bleker: Die Geschichte der Nierenkrankheiten. Boehringer Mannheim 1972, S. 53. Oberhalb des symbolischen Siebes mĂŒnden Vene und Arterie in einen Hohlraum, unterhalb des Siebes sammelt sich der Urin zum Abfluss in den Harnleiter.
cite-note-2323. â John Blackall: Observations on the Nature and Cure of Dropsies, and particularly on the Presence of the Coagulable Part of the Blood in Dropsical Urine. London 1813, S. 271.
cite-note-2424. â Johanna Bleker: Die Geschichte der Nierenkrankheiten. Boehringer Mannheim, Mannheim 1972, S. 83.
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cite-note-2626. â Friedrich August Walter: Einige Krankheiten der Nieren und Harnblase untersucht und durch Leichen-Oeffnungen bestĂ€tigt. Matzdorff Verlag, Berlin 1800, S. 18 f. (Digitalisat).
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